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Kriechenwil hiess früher Dicki
Dicki
umfasste früher die Weiler Kriechenwil, Schönenbühl und Riesenau sowie die
Gebiete Neumatt, Waldegg, Dönishaus, Süderen und Röseli. Der Gemeindename
wurde aber fast nur im amtlichen Verkehr gebraucht; die Post war nämlich schon
immer mit "Kriechenwil" bezeichnet und auch die Haltestelle der
Sensetalbahn hatte den Namen "Saanebrücke-Kriechenwil". So gab denn
der Gemeindename immer wieder zu Missverständnissen Anlass; manche Leute
suchten Dicki vergeblich, da ja kein Ortsteil und kein Haus, sondern nur ein
Teil der Agrarflur, diesen Namen trug. Am 13. Dezember 1958 hat die
Gemeindeversammlung eine Namensänderung erstmals beraten. Als dann feststand,
dass die Angelegenheit keine nennswerten
Kosten verursachen würde, hat die
Gemeindeversammlung am 12. März 1959 die Namensänderung von "Dicki"
auf "Kriechenwil" definitiv beschlossen. Die Namensänderung wurde am
3. April 1959 vom Regierungsrat des Kantons Bern mit zustimmendem Antrag an den
Bundesrat weitergeleitet. Die Abänderung des Gemeindenamens wurde am 16.
April 1959 genehmigt.

Kriechenwil und Dicki um 1880
Der Römerweg
Beim
Zusammenfluss von Saane und Sense sind Überreste einer Römerbrücke
gefunden worden. Sie gehörte zur Verbindung "Vindonissa-Aventicum". Verschiedene Abschnitte des Römerweges sind auf dem Gemeindegebiet bekannt
und im Wald teilweise noch gut sichtbar. 1995 wurde im Rahmen eines
Arbeitslosenprojektes auf der Spur der alten Römerstrasse ein Wanderweg mit
verschiedenen Erläuterungstafeln angelegt.
Der Galgen
Unsere
Gemeinde gehörte einst, wie Laupen, zum Landgericht Zollikofen. Im Mittelalter
befand sich im Gebiet über den Sandsteinflühen zur Saane die Richtstätte,
welche zum Schloss Laupen gehörte. Noch heute kann man im "Galgenauli"
- das Gebiet ist inzwischen bewaldet - zwei
runde Fundamente ausmachen, die einstigen gemauerten Pfeiler desGalgens. Man
soll vom Schloss aus den Galgen gesehen haben. Vor dem Galgen habe es noch eine
Vorrichtung gegeben um Leute zu köpfen. Die Köpfe seien über eine Rutsche und
durch ein Loch im Sandsteinfelsen direkt in die Saane gerollt. Alte
Kriechenwiler wollen wissen, das Loch sei noch in den Zwanzigerjahren unseres
Jahrhunderts gutauszumachen gewesen. Inzwischen hat die natürliche Erosion die
makabere Stelle unkenntlich gemacht.
Bild rechts, eines
der
beiden Galgen-Fundamente
Die
Sage
Um
den Ortsnamen gibt es eine mündliche Überlieferung: Einen in Laupen oder
Umgebung Geborenen soll es als Kreuzritter nach Griechenland verschlagen haben,
wo er an verschiedenen Kriegszügen teilgenommen habe. In die Heimat zurückgekehrt,
habe er sich im Dicki (althochdeutsch für Dickicht) niedergelassen; also
vermutlich Wald gerodet. Man habe den Ort dann d's Grieche Wyl (des Griechen
Aufenthalt) genannt. Aus „d's Grieche Wyl“ sei durch den Sprachgebrauch „Kriechenwil“
geworden.
Das Wappen
Das Kriechenwiler (Dicki)
Gemeindewappen ist vom Berner Regierungsrat 1944 wie folgt genehmigt worden:
"Gespalten in Silber mit einer halben ausgerissenen grünen Linde am Spalt,
und von Blau mit einem silbernen Wellenbalken." Die linke Seite (heraldisch
rechts) symbolisiert die Zugehörigkeit zu Laupen. Der Wellenbalken auf der
rechten Seite (heraldisch links) ist dreigeteilt und symbolisiert die drei das
Gemeindegebiet berührenden Flüsse Saane, Sense und Bibera.
Die genauen Ursprünge des Wappens liegen im Dunkeln; es ist wohl im 19.
Jahrhundert entstanden als die Vereine einen Schmuck für ihre Fahnen brauchten. Auf den Fahnen
der Schützen- und der Hornussergesellschaft sowie als Wandmalerei im
Amtsgerichtssaal des Schlosses Laupen, liess es sich jedenfalls schon vor der
von der Berner Wappenkommission 1943 durchgeführten Bereinigung nachweisen.
Interessant ist, dass auf dem alten Stempel der Gemeindeschreiberei Dicki noch
das vollständige Laupen-Wappen (ganze Linde) im linken Teil des Kriechenwiler
Wappens abgebildet war.
Die Burgergemeinde
Im
Jahre 1855 hat sich die Gemeinde geteilt in die Oertliche und die
Burgergemeinde. In einem Ausscheidungsvertrag hat sie ihren Besitz in Gemeindegüter
mit örtlichem Zwecke und burgerliche Gemeindegüter aufgeteilt. Die örtliche
Gemeinde übernahm die Schulgüter mit Schulhaus, und Land, das Spritzenhaus und
den Begräbnisplatz; die Burgergemeinde die Armengüter und als Liegenschaft die
Längmatte in der Riesau, 21 Jucharten und 3520 Quadratschuh urbares Land und 11
½ Jucharten Auland.
Die
Burgergemeinde verpflichtete sich, als aquivalent der bisherigen Ausgaben, für
Munizipal-Zwecke an die örtliche Gemeinde jährlich fünfzig Franken
abzurichten. Aus dem Ertrag des allgemeinen Burgergutes müsse vorab die
Jahresrente an die örtliche Gemeinde ausgerichtet werden. Ein allfälliger
Ueberschuss wird von den innert der Gemeindemarch wohnenden Burgern nach
althergebrachtem Brauch gleichmässig benutzt. Das heisst, die dort wohnenden
Burger erhalten gegen Tragung der Schwellenarbeiten ein Stück des gemeinen
Landes zur Benützung.
Im
Jahre 1924 bewilligte der Regierungsrat der Burgergemeinde ein Stück Auwald von
200 Aren auszureuten und in Kulturland umzuwandeln unter der Bedingung, als
Ersatz eine gleich grosse Fläche innert drei Jahren aufzuforsten. 1938 konnten
weitere 163 Aren gereutet werden. Die jährliche Abgabe an die Einwohnergemeinde
wurde im Laufe der Jahre auf hundert Franken erhöht. 1979 beschlossen die
Einwohner- und die Burgergemeinde die Aufhebung des Ausscheidungsvertrages. Die
Burgergemeinde zahlte eine Auskaufssumme von fünftausend Franken an die
Einwohnergemeinde.
Der
Beginn der Aufzeichnungen im Burgerrodel der Gemeinde Dicki stammt aus der Zeit
um 1780. Auf der Titelseite steht: „Aus den Kirchenbüchern und den
eingekommenen Scheinen zusammengetragen und aufgesetzt durch Jakob Daniel
Baumann, damaliger Pfarrer in Laupen.“
Die jeweiligen
Schreiber der Burgergemeinde haben die Rodel bis heute weitergeführt.
Ursprüngliche
Burgergeschlechter von Kriechenwil sind: Balmer, Büschi, Erismann, Gosteli,
Hurtig, Kilchherr, Kräuchi, Reber, Risemey, Schick, Schönenberger,
Schieferdecker und Wyss.
Die alten Geschlechter
Kräuchi, Risemey, Schieferdecker und Wyss sind ausgestorben. Dagegen haben in
den letzten Jahren durch Heirat viele neue Geschlechter, wie Allegrini,
D’Angelo, Chesaux, Fantino, Jmhooff, Kuster, Ritter, Tabin, Wuillemin,
Zaabani usw. unser Burgerrecht erworben.
Die
Burgergemeinde besitzt heute 1 635 Aren Land und Au in der Riesenau. Gegenwärwtig
wohnen 42 Burgerinnen und Burger, der Geschlechter Balmer, Büschi, Gosteli,
Schick, Schönenberger und Schlapbach in der Gemeinde. Die
Burgergemeinde kann aus der Verpachtung von Grundstücken über ein
Jahreseinkommen von ca. 7'500 Franken verfügen.
An
Gemeinden, die Burger von Kriechenwil unterstützen, wird ein jährlicher
Burgergutsbeitrag von gegenwärtig 101 Franken pro unterstützte Person bezahlt.
Burgerinnen und Burger, die das 30. Altersjahr zurückgelegt haben, in der
Gemeinde wohnhaft sind und einen eigenen, selbständigen Haushalt führen, haben
Anrecht auf ein Burgergrundstück von 18 Aren, Nichtlandwirte den Ersatz im
Betrage von 126 Franken. Allfällige Ueberschüsse der Verwaltung werden
ebenfalls an die nutzungsberechtigten Burgerinnen und Burger verteilt.
Die
Burgergemeide hat beschlossen, die Burgerrodel freiwillig weiterhin nachzuführen.
Das Ausstellen der Heimatscheine wurde im 1998 an das Zivilstandsamt abgetreten.
In letzter Zeit interessieren sich vermehrt Leute um ihre Ahnen mit Anfragen um
Auszüge aus den alten Büchern ihrer Vorfahren. Die Burgergemeinde bemüht
sich, alte Rechte und Traditionen für unsere Nachkommen zu erhalten.
Für die
Burgergemeinde:
Der Burgerschreiber,
Werner Gosteli
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